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Was will ich beruflich eigentlich? Vier Schritte zu einer ehrlichen Antwort

Du weisst genau, was von dir erwartet wird. Was du selbst willst, müsstest du länger überlegen.

Wie das passiert

Niemand entscheidet sich eines Tages, die eigenen Wünsche nicht mehr zu kennen. Es passiert schrittweise, und jeder einzelne Schritt ist vernünftig. Du übernimmst die Aufgabe, weil sie ansteht. Du bleibst, weil es gerade schlecht passt zu gehen. Du machst die Weiterbildung, die im Lebenslauf Sinn ergibt.

Nach ein paar Jahren hast du eine Laufbahn, die von aussen stimmig aussieht, und innen die Frage, wie du eigentlich hier gelandet bist.

Warum die Frage so schwer zu beantworten ist

Wer sich lange nach fremden Erwartungen ausrichtet, wird darin sehr gut. Das ist keine Schwäche, das ist eine Fähigkeit. Sie hat nur einen Preis: das Instrument, mit dem du fremde Erwartungen liest, ist feiner geschliffen als das für deine eigenen.

Deshalb hilft die Frage „was willst du wirklich“ so selten weiter. Sie verlangt eine Antwort aus einem Instrument, das lange nicht benutzt wurde.

Schritt 1: Beschreib einen Tag, nicht ein Ziel

Ziele klingen schnell nach dem, was man haben sollte. Ein Tag lässt sich schwerer fälschen. Beschreib einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag in einem Jahr, wenn es gut läuft. Wann stehst du auf, womit fängst du an, mit wem sprichst du, wann ist Schluss.

Schritt 2: Trenne, wessen Massstab das ist

Geh die Beschreibung durch und markiere jeden Punkt: kommt der von dir, oder hast du ihn übernommen. Von Eltern, von der Branche, von einer Chefin, die du bewundert hast.

Es geht nicht darum, Übernommenes wegzuwerfen. Vieles davon ist gut. Es geht darum, es zu erkennen, damit du wählen kannst.

Schritt 3: Streich eines

Nimm ein Ziel, das nicht deins ist, und streich es. Nur eines. Das ist unangenehmer, als es klingt, und genau deshalb wirksam. Du machst die Erfahrung, dass du entscheiden darfst.

Schritt 4: Prüf es mit einer Frage

Bei jedem, was übrig bleibt: wenn niemand je davon erfährt, will ich es dann immer noch. Was diese Frage übersteht, ist ziemlich sicher deins.

Was das mit Selbstwert zu tun hat

Wer seinen Wert daran misst, wie andere reagieren, richtet sich mit der Zeit nach fremden Erwartungen aus. Nicht aus Schwäche, sondern weil es funktioniert. Die eigene Richtung zurückzuholen ist deshalb keine Frage von mehr Nachdenken, sondern von einem anderen Massstab.

Das ist Arbeit und es geht. Es geht nur nicht in einem Nachmittag.